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Erfahrungsbericht Olga Kobeleva Wintersemester 2006/07

Ich habe ein Semester (Oktober bis Februar) in Lausanne in der Schweiz verbracht, wo an der Université de Lausanne Jura studiert habe.

Planung und Finanzierung

Die Planung der Auslandssemesters musste recht früh beginnen. Ich habe mich nach dem zweiten Semester entschieden, im fünften Semester vor der Schwerpunktausbildung ins Ausland zu gehen. Die Wahl eines Ortes hat dann noch einmal ein Semester in Anspruch genommen. Am Ende wusste ich dann, das mein Erstwunsch für ein Auslandstudium Lausanne sein würde, weil ich mein Französisch verbessern und trotzdem auch im Jurastudium weiterkommen wollte. Wie sich am Ende des Semesters herausstellen würde, war Lausanne dafür eine hervorragende Wahl.

Im Rahmen des Erasmusprogramms bekommt man einen gewissen Zuschuss zu den Unterhaltskosten im Auslandsemester. Das waren für die Schweiz allerdings nur 150€ monatlich, was noch nicht mal gereicht hat, um die zusätzlichen Kosten für das Zimmer im Studentenwohnheim zu bezahlen.

Insgesamt muss man pro Monat etwa 800€ einplanen, wenn man (relativ) günstig unterkommt, nicht in der Mensa essen geht, sondern meistens selbst kocht, und auch keinen Shoppingtrip einlegt. Wer sich zusätzliches leisten möchte oder mal Skifahren will, muss entsprechend mehr Geld vorrätig haben. Im Vergleich dazu komme ich hier mit etwa 500€ aus.

Der Vorteil eines Austauschprogramms liegt also nicht im Geld, sondern darin, dass einem eine Menge Papierkram abgenommen wurde. Man muss sich zum Beispiel nicht um eine Einschreibung kümmern, bekommt die Studiengebühren bezahlt und hat auch ein etwas erleichtertes Prozedere bei der Meldung in der Stadt. Das Beste war jedoch die Teilnahme an allen Erasmus-Veranstaltungen des SASC, dazu schreibe ich mehr unter dem Punkt „Aktivitäten".

Zu Erledigen ist nach der Anreise trotzdem einiges: Kauf einer Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr(41 CHF), Melden bei der Stadt (wenn man denn möchte), Vorstellen bei der Uni, eventuell Zimmersuche, Konto bei der Bank, Handykarte... Wenn man noch ein Zimmer braucht, lohnt es sich, bei der Wohnheimverwaltung (s. www.fmel.ch) persönlich vorbeizuschauen. Tut man das und bettelt genug, bekommt man meistens auch ein Zimmer in einem der Studentenwohnheime.

Die Preise in der Schweiz sind wesentlich höher als in Deutschlanf, insbesondere für Lebensmittel und Miete.

Anreise

Es lohnt sich, sich vor der Anreise mit den anderen, die auch an die Uni ins Auslandssemester gehen, zusammenzusetzen. So spart man sich unter Umständen die teure Bahnfahrt und das lästige Kofferschleppen. Ansonsten gibt es bei StudiVZ.de auch entsprechende Gruppen, in denen Mitfahrgelegenheiten gesucht werden können.

Unterkunft

Ich bin in Studentenwohnheim „Ochettes" an der Universität untergekommen, wo ich rund 350€ Miete im Monat gezahlt habe. Das Wohnheim hat den Vorteil, nah an der Uni zu sein, so dass man jeden Morgen fünf Minuten vor Vorlesungsbeginn losgehen kann. Der Nachteil ist, dass man eben deshalb auch in die Stadt zum Feiern mit der Metro fahren muss. Möchte man dann zurück, so hat man entweder ein teures Taxi zu bezahlen oder muss sehr gut planen, wer auch in dieselbe Richtung fährt. Die WGs in dem Haus sind sauber und nicht zu klein (4er WGs), allerdings ist es nicht so ein „Partyhaus" wie das Falaises oder das Cèdres. Man trifft die anderen Hausbewohner fast nur, wenn man sich wirklich zum Kochen verabredet oder zusammen weggeht. Allerdings habe ich dort trotzdem sehr nette Leute kennengelernt, die entweder Schweizer waren oder auch ein Austauschsemester in der Schweiz verbracht haben.

Man muss also wählen, ob man nahe der Uni wohnen möchte oder lieber morgens länger fährt, aber stattdessen das sehr sehr muntere „Nachtleben" der anderen Häuser bevorzugt.

Lausanne

Lausanne ist ein nicht sehr großes, aber sehr charmantes Städtchen. Über die Stadt selbst und ihre Sehenswürdigkeiten informiert man sich am besten auf Wikipedia oder unter Lausanne.ch. Ich möchte nur erwähnen, dass man sich den Aussichtsturm auf dem Berg mit einem wunderschönen Blick auf den See nicht entgehen lassen sollte. Außerdem ist das abwechselungsreiche Museum an der Place der la Riponne toll, die Kathedrale schön und auch die Fußgängerzone ganz hübsch. Im Sommer und bei gutem Wetter kann man an den Hafen Ouchy fahren oder sich in eines der Cafés setzen.

Uni und Vorlesungen

Die Université de Lausanne (UNIL) liegt außerhalb der eigentlichen Innenstadt am Ufer des Genfer Sees. Es sind zahlreiche Gebäude, verteilt auf einem weitläufigen Gelände mit Schafen und Eseln, an das auch die Technische Hochschule von Lausanne (EPFL) angrenzt. Man muss aber keine Angst haben, dass man kilometerweise von einem Gebäude zum anderen laufen muss, weil die Vorlesungen je einer Fakultät in einem Gebäude stattfinden. Ich hatte zum Beispiel meine Sprachkurse im „Anthropole" und die Juravorlesungen im „Internef".

Die Uni ist gut ausgestattet: die Vorlesungsräume sind recht neu, überall gibt es WLAN und es stehen auch genügend PCs zum gelegentlichen Emaillesen herum. Außerdem gibt es eine Bankfiliale, eine Post, Papierwarenläden, einen unglaublich teuren Friseur, Cafeterien... Weil die Uni nicht direkt in der Stadt ist, hat man alles bereitgestellt, was man so zum Leben an der Uni braucht.

Architektonisch ist die Uni nicht gerade ein Schmuckstück. Dafür kann man aber bei gutem Wetter in der Mittagspause an den See gehen und die Schwäne ärgern oder einfach die Berge auf der Seite von Evian betrachten. Das ist besonders schön, wenn man mittlerweile zwei Jahre im Osnabrücker Flachland gelebt hat. Man sollte sich auch in der Stadt auf mittelschweres Bergsteigen einstellen, wobei man sich am Anfang gelegentlich nach der Karte richtet und feststellt, dass man da wohl irgendwas mit der Straßenführung nicht ganz verstanden hat.

Die Vorlesungen an der Uni sind sehr gut. Man hat die Auswahl zwischen vielen Fächern in unterschiedlichen Sprachen, von denen man auch nur die hören muss, die man will. So eine Wahlfreiheit wird man weder vorher noch nachher in der Uni haben. Als Jurist muss man eigentlich 8 Semesterwochenstunden nachweisen, das ist aber natürlich Sache des Einzelnen und abhängig von der Motivation. Ich hatte am Anfang 26 SWS, am Ende 22 SWS, die ich alle mit Begeisterung verfolgt habe, und die in vier Sprachen waren (Französisch, Deutsch, Englisch und Russisch). Die Prüfungen am Ende sind nicht alle einfach, aber zu schaffen- zum Teil werden sie auch extra für Austauschstudenten angeboten. In den weniger besuchten Wahlkursen kann man am Ende oft auch mit dem Prof über die Prüfung (mündlich oder schriftlich, für ECTS oder nicht, oder Sitzschein) verhandeln.

Für Juristen ist praktisch, dass man in Lausanne auch die große Übung BGB machen und IPR sowie Verwaltungsrecht hören kann. Sämtliche Scheine lassen sich auch gut für das weitere Studium gebrauchen. Ich habe schon einmal die Vorlesungen aus meinem Schwerpunktbereich gehört, um mich dann besser entscheiden zu können Es lohnt sich, auch amerikanisches Recht auf Englisch zu besuchen. Die Professorin dieser Vorlesung war sehr engagiert und hat die Vorlesung wunderbar aufbereitet. Von den auf französisch gehaltenen Fächern sollte man sich mehrere auswählen, weil man sonst Gefahr läuft, zu wenig Fachfranzösisch zu lernen. Super ist dafür Prof. Bonomi mit Rechtsvergleichung oder Prof. Ziegler mit Völkerrecht. Sprachkurse dagegen sind ok, aber nicht hervorragend. Man sollte sich lieber eine weitere echte Vorlesung aussuchen.

Aktivitäten

Lausanne hat ein sehr abwechselungsreiches Nachtleben, vor allem für Erasmusstudenten. Besonders gut sind Erasmusparties, die immer in einer anderen Kneipe oder Diskothek stattfinden. Auf jeden Fall sollte man alle Aktivitäten des SASC mitmachen- so kann man sehr billig und sehr gut essen, die Umgebung (Genf, Bern) besichtigen und auch mal ein Wochenende Skifahren, ohne sich zu ruinieren. Im Sommer ist der See bestimmt die Hauptattraktion. In der Stadt kann man auch ins Kino gehen, wo die Filme zum Teil im Original gezeigt werden ( Kino Galéries Petit Chêne) oder Eislaufen. Zum Fondueessen ist das Café „Evéché" wärmstens zu empfehlen. Ich habe noch nie so gutes Tomatenfondue gegessen wie dort.

Leute

Im Austausch trifft man sehr viele neue Leute, dass weiß jeder. Ob das dann ausschließlich deutsche Jurastudenten sind, oder ob man internationale Bekanntschaften macht, hängt davon ab, was man will. Ich habe in Lausanne nette Juristen kennengelernt, die dort auch ein Semester verbracht haben, aber auch sehr viele Amerikaner, Kanadier, Franzosen, Schweden, Norweger, Polen, Schweizer aus dem Französischen Teil und dem Tessin... Wenn man nur deutsch reden will, kommt man damit auch gut aus- aber viel interessanter war es, sein Französisch zu testen, die Schweizer und anderen Austauschstudenten zu befragen und mehr zu sehen als dieselben Gesichter wie an jeder Uni bei uns. Man muss dazu aber aktiv werden, weil es eben viel einfacher ist, mit den Leuten aus der Vorlesung in Kontakt zu kommen, so dass ich jetzt auch weiß, woher das Cliché kommt, dass in Lausanne sowieso nur Deutsche wären. Weil es bedingt durch die Kosten eines Auslandsaufenthaltes auch sehr viele arrogante Juristen gab, die man in einer eher lockeren Stadt wie Osnabrück kaum trifft, fiel es leicht, sich auch an den anderen Fachbereichen nach netten Leuten umzusehen. Aber natürlich sollte man sich dadurch nicht abschrecken lassen- sympathische Studenten trifft man auch dort. Nur sollte man tunlichst die Erasmus-Parties als Kontaktbörse nutzen.

Auch muss man, um im Auslandsaufenthalt neue Leute kennenzulernen, kein superkontaktfreudiger Partyalleinunterhalter sein. Zu Beginn eines Semesters haben sich zwischen den Leuten abgesehen von wenigen Bekanntschaften noch keine festen Gruppen gebildet, so dass jeder sehr schnell Anschluss findet. Das macht auch sehr viel Spaß, weil man Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt trifft.

Fazit

Mir hat mein Semester sowohl fachlich als auch persönlich und für mein Französisch sehr viel gebracht. Die Schweizer habe ich als sehr nett und hilfsbereit in Erinnerung. Obwohl ich alleine in die Schweiz gegangen bin, hatte ich fast nie Heimweh, weil das Land und die Leute so sympathisch waren. Ich habe selten so viel Zeit und Gelegenheit gehabt, etwas zu unternehmen, und auch Menschen kennen gelernt, die mir meine Zeit dort sehr angenehm gemacht haben und die ich hoffentlich wiedersehen werde.

Ich würde jedem ein Auslandssemester empfehlen.

Olga Kobeleva

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