Fachbereich 10

Rechtswissenschaften


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Schwerpunkt 6: Deutsches und Europäisches Steuerrecht

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I. Allgemeines

Der Begriff „Steuerrecht“ löst bei vielen Menschen, sei es aus einer grundsätzlichen Abneigung gegenüber Zahlen oder der immer wieder bemühten Komplexität der geltenden Regelungen, Unbehagen aus. Dennoch ist ein Studium des Steuerrechts lohnenswert. Nicht nur, weil „Steuerrechtler“ auf dem Arbeitsmarkt überaus gefragt sind, sondern auch, weil das Steuerrecht wie kaum ein anderes Rechtsgebiet rechtliche und ökonomische Fragestellungen miteinander verbindet. Darüber hinaus ist die Praxisrelevanz nicht hoch genug zu bewerten: Jeder Einzelne, sei es der Studierende mit Nebenjob, der Rechtsanwalt/die Rechtsanwältin oder der Unternehmensjurist/die Unternehmensjuristin, wird früher oder später mit der Frage konfrontiert, was überhaupt steuerpflichtig ist oder was eigentlich steuerlich abzugsfähig ist.

Der Schwerpunktbereich Deutsches und Europäisches Steuerrecht deckt inhaltlich die zentralen Teilbereiche des nationalen Steuerrechts, die Bezüge zum Unionsrecht sowie die Grundlagen des Internationalen Steuerrechts ab. Das Hauptaugenmerk liegt dabei weniger auf der Vermittlung technischen Detailwissens als vielmehr darauf, ein Verständnis für die grundlegenden Zusammenhänge und die systematischen Strukturen sowie für die methodischen Besonderheiten dieses Teilrechtsgebiets zu vermitteln. An der Schnittstelle zwischen Verfassungs- und Verwaltungsrecht und Zivilrecht einerseits sowie zum Völkervertragsrecht andererseits ergeben sich viele spannende und zukunftsträchtige Fragen, die einer wissenschaftlichen Durchdringung bedürfen. Die Auseinandersetzung ist wissenschaftlich ertragreich und bietet bereits Studierenden viel Raum für die eigenständige akademische Weiterentwicklung. Zudem wird den Studierenden des Schwerpunkts 6 die Möglichkeit eröffnet, an einer simulierten mündlichen Prüfung teilzunehmen. Diese wird von den Wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Instituts durchgeführt. Dabei werden die Prüfungskandidatinnen und -kandidaten in den Pflichtfächern und in ihren jeweiligen Wahlfächern unter prüfungsähnlichen Umständen getestet. Dadurch bekommen die Studierenden die Gelegenheit, ihren Wissenstand vor der „richtigen“ Schwerpunktprüfung noch einmal selbst zu kontrollieren.

Der Schwerpunkt 6 richtet sich vor allem an Studierende, die Interesse an komplexen Fragestellungen und Herausforderungen haben, sowie Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen.

Absolventinnen und Absolventen, die wissenschaftlich fundiertes Wissen auf dem Gebiet des Deutschen und Europäischen Steuerrechts erworben haben, stehen viele interessante Berufswege offen. Allen voran signalisiert die steuerberatende Praxis stets einen hohen Bedarf an steuerrechtlich ausgewiesenen Juristinnen und Juristen, die als Fachanwälte tätig werden wollen. Dieser Bedarf ist in mittelständischen Kanzleien gleichermaßen gegeben wie in internationalen Law Firms. Aber auch in der Justiz besteht eine erhebliche Nachfrage an Finanzrichterinnen und Finanzrichtern. Die Finanzverwaltung rekrutiert ihre Führungskräfte aus dem Kreis der Universitätsabsolventinnen und -absolventen.

Die Vorlesungen und Seminare des Schwerpunktbereichs Deutsches und Internationales Steuerrecht werden von zwei hauptamtlichen Professoren des Fachbereichs (Prof. Dr. Heike Jochum und Prof. Dr. Steffen Lampert) verantwortet. Sie werden von erfahrenen Experten aus der beruflichen Praxis unterstützt. Dazu gehören Hon.-Prof. Dr. Jutta Förster, Richterin am Bundesfinanzhof, sowie Richter des Niedersächsischen Finanzgerichts und wissenschaftlich ausgewiesene Vertreter aus der Steuerberatung.

II. Die einzelnen Fächer

1. Wahlpflichtfächer

Das Vorlesungsprogramm im Schwerpunktbereich 6 umfasst die drei Wahlpflichtkurse Einkommensteuerrecht, Umsatzsteuerrecht sowie Europäisches und Internationales Steuerrecht. Wahlkurse sind sowohl Körperschaftsteuerrecht, Gewerbesteuerrecht und steuerliches Verfahrensrecht als auch Umwandlungssteuerrecht und steuerliche Gewinnermittlung. Die Inhalte der einzelnen Vorlesungen werden im Folgenden kurz vorgestellt.

  • Einkommensteuerrecht: Die Einkommensteuer befasst sich mit der Besteuerung des Einkommens natürlicher Personen. Grundsätzlich muss jeder Steuerpflichtige, der positive Einkünfte erzielt Einkommensteuer abführen. Der Steuersatz richtet sich dabei in der Regel nach der Höhe des zu versteuernden Einkommens. Die Vorlesung beschäftigt sich mit den verschiedenen Einkunftsarten und wie für die jeweilige Einkunftsart gemäß dem EStG das zu versteuernde Einkommen ermittelt wird.
  • Europäisches und Internationales Steuerrecht: Das Internationale Steuerrecht befasst sich mit der Problematik grenzüberschreitender Sachverhalte. Interessant sind dabei insbesondere Konstellationen, die ohne gesetzliche Regelungen zu einer doppelten Besteuerung oder zu einer doppelten Nichtbesteuerung führten. Zu den gesetzlichen Regelungen gehören sowohl nationale Normen, als auch völkerrechtliche Verträge, sowie das Unionsrecht.
  • Umsatzsteuerrecht: Im Volksmund ist die Umsatzsteuer besser als Mehrwertsteuer bekannt. Die Umsatzsteuer ist so konzipiert, dass durch sie letztlich nur die Endverbraucher, nicht aber die leistenden Unternehmer belastet werden. Die Vorlesung behandelt u.a. durch welche Mechanismen dies erreicht wird, welche Umsätze überhaupt steuerbar sind, in welchen Bereichen Steuerbefreiungen existieren, für welche Umsätze eine Steuerermäßigung auf 7% gewährt wird und wie die Umsatzsteuer im grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr zu behandeln ist.

2. Wahlfächer

  • Körperschaftsteuerrecht: Mit der Körperschaftsteuer wird das Einkommen von inländischen juristischen Personen wie Kapitalgesellschaften, Genossenschaften oder Vereinen besteuert. Der Steuersatz liegt bei 15 % des zu versteuernden Einkommens. Schwerpunkt der Vorlesung ist es anhand des Gesetzes - wie im Einkommensteuerrecht - das zu versteuernde Einkommen zu ermitteln. Besondere Bedeutung kommt dabei etwa dem Umgang mit Eigen- und Fremdkapital, der Beteiligung an anderen Kapitalgesellschaften oder auch der Behandlung von Verlustvorträgen zu.
  • Gewerbesteuerrecht: Der Gewerbesteuer unterliegt der um Kürzungen verminderte und um Hinzurechnungen erhöhte Gewinn des Gewerbebetriebes. Anknüpfungspunkt ist nicht ein Betriebsinhaber, sondern der Gewerbebetrieb selbst; auf die persönlichen Verhältnisse des Betriebsinhabers kommt es nicht an. In ihrer Ausgestaltung orientiert sich die Gewerbesteuer dabei stark an der Einkommen- und Körperschaftsteuer. Aufgrund der Höhe ihres Aufkommens und da ihr Aufkommen eine wichtige Einnahmequelle der Gemeinden ist, stellt sie eine der wirtschaftlich bedeutendsten Steuern dar.
  • Steuerliches Verfahrensrecht: Die Vorlesung umfasst schwerpunktmäßig das besondere Verwaltungsrecht für Steuern, die Abgabenordnung. Sie regelt die Abläufe bei der Durchführung der Besteuerung, das Verfahren für die Festsetzung und Erhebung von Steuern sowie die Vollstreckung des Steueranspruchs.
  • Steuerliche Gewinnermittlung: Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Gewinn eines Unternehmens zu ermitteln. Bei kleinen Unternehmen kann es ausreichen, bloß den Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben zu berechnen. Größere Unternehmen sind hingegen dazu verpflichtet, Bücher zu führen und Bilanzen über ihre Vermögenswerte aufzustellen. Die Vorlesung beschäftigt sich insbesondere mit den besonderen Bilanzierungsregeln sowie den Unterschieden der Bilanzen im Handelsrecht und im Steuerrecht.
  • Umwandlungssteuerrecht: Im Umwandlungssteuerrecht werden die steuerlichen Folgen von Fusionierungen, Umstrukturierungen und bloßen Formwechseln innerhalb verschiedener Unternehmen behandelt. Die Notwendigkeit des Umwandlungssteuerrechts ergibt sich daraus, dass oftmals bei Unternehmensumstrukturierungen Gewinne freigesetzt werden, die der Besteuerung unterworfen werden, um eine lückenlose Besteuerung zu gewährleisten.